In-House – Seminare, Fortbildungen, Supervision und Coaching zu Demenz, Validation, Aromapflege, Basale Stimulation, Aktivierung und Beschäftigung in München und Bayern

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der (Demenz)-Pflege,

Tobias Münzenhofer
zuerst möchte ich mich bei all meinen Kunden herzlich für die gute und angenehme Zusammenarbeit und für das Vertrauen bedanken, welches Sie mir im letzten Jahr entgegengebracht haben.
Mögen Sie an die guten Zeiten mit Freude denken, aus den schlechten lernen, im Heute leben und das Morgen willkommen heißen.

"Es ist von grundlegender Bedeutung, jedes Jahr mehr zu lernen als im Jahr davor." Peter Ustinov (1921-2004)

In diesem Newsletter möchte ich auf den Umstand der täglichen Gewalthandlungen seitens Ihrer (Pflege-) Klienten aufmerksam machen. Meinen Erfahrungen nach, betrifft dieses Thema (leider) auch Sie. (Lesezeit 3 Minuten)

Eskalierende Situationen frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren, setzt ein gezieltes Fachwissen voraus. Es gilt, für sich selbst und für den Anderen (Patienten, Angehörige) einen Weg zu finden, um aus der angespannten Situation herauszukommen. Die richtigen Worte im passenden Moment, selbstbewusstes Auftreten und eindeutiges Verhalten, können bereits eine brenzlige Situation entschärfen.

Pflegekräfte werden in der Gewaltspirale oft selbst Opfer von Gewalthandlungen. Dies trifft nicht nur noch die Einrichtungen der Psychiatrie.Aufgrund der besonderen Lebenssituation, welche eine Pflege notwendig macht, beispielsweise bedingt durch eine somatische wie psychiatrische Krankheit, einen Unfall oder übermäßigen Einfluss von Alkohol, kann es zu gewaltvollen Konfliktsituationen kommen. Die Ursachen dafür können Ängste, das Gefühl der Unsicherheit und Hilflosigkeit aber auch Wahrnehmungsstörungen und der Verlust von Hemmungen sein.Aggression richtet sich häufig gegen Mitarbeiter des pflege-therapeutischen Teams aber auch Mitklienten, Angehörige und Besucher können betroffen sein. Professionell und lösungsorientiert solche Situationen zu schlichten und zu beruhigen, gelingt nicht allein durch ein empathisches Wesen sowie wenn man selbst Teil des Konflikts ist.





Mit kollegialen Grüßen
Unterschrift

Umgang mit Gewalt - Deeskalation in der psychiatrischen Pflege

In der Publikumspresse werden immer wieder gewalttätige Übergriffe in Altenheimen thematisiert. Die Täter kommen hierbei aus den Reihen des Pflegepersonals, die Opfer sind die Heimbewohner. Doch der umgekehrte Fall kommt viel häufiger vor: Patienten oder Heimbewohner greifen das Pflegepersonal an – entweder nur verbal oder aber mit Händen, Füßen, Zähnen oder den unterschiedlichsten Gegenständen.
Ob Krankenschwester, Sozialarbeiter oder Altenpfleger – fast jeder, der in einem Bereich der Pflege zu tun hat, wird irgendwann mit dem Thema Gewalt hautnah konfrontiert. Im günstigsten Fall bekommt er es nur mit aggressiven Ausbrüchen und verbaler Gewalt seiner Klientel zu tun, im schlimmsten Fall geht es ihm wie einer Mitarbeiterin in einem Heim für geistig Behinderte: Diese Mitarbeiterin wurde von einem aggressiven Betreuten massiv ins Gesicht geschlagen. Die geschockte Frau bat die Pflegeleitung darum, den Betreuten für den Rest des Tages aus ihrem Arbeitsbereich zu entfernen. Doch ihr unmittelbarer Vorgesetzter reagierte mit der zynischen Bemerkung: »Du warst ja noch nie verheiratet, oder? Sonst wärst du es ja gewohnt: Mann schlägt Frau.« Auf die Frage einer anderen Kollegin, was es Neues gäbe, erwiderte dieser Vorgesetzte: »Kollegin K. wird regelmäßig von ihren Männern geschlagen.« Die Mitarbeiterin K. erlitt daraufhin einen Nervenzusammenbruch.
Dieser Vorfall macht deutlich, wie die Themen »Patientenübergriffe, Aggressionen und Gewalt« geflissentlich übergangen, verharmlost oder sogar totgeschwiegen werden. Dabei wäre es überaus wichtig, zu überlegen, weshalb es überhaupt zu Gewalt kommt und wie gewalttätige Übergriffe möglichst im Vorfeld zu verhindern sind.
Wo kommt Gewalt vor?
Landläufig wird angenommen, dass in der Psychiatrie das Gewaltpotenzial der Klientel am größten ist. Die meisten Patientenübergriffe wurden der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) jedoch aus Behinderteneinrichtungen und Altenheimen gemeldet. In der Jugendhilfe kommen Übergriffe nur halb so oft wie in Behinderteneinrichtungen vor, am seltensten wurden solche Begebenheiten aus Krankenhäusern und der Psychiatrie gemeldet.
Gründe für Aggression
Dass bestimmte neurologische und psychiatrische Erkrankungen sowie psychoaktive Drogen (zum Beispiel Alkohol und Kokain) und eine Reihe von Substanzen und Medikamenten (zum Beispiel Phencyclidin, Sedativa, Amphetamine) das Verhalten verändern, ist bekannt. So ist bei bestimmten Erkrankungen (M. Alzheimer, Morbus Pick, Chorea Huntington, Multi-Infarkt-Demenz, Epilepsie, Hirnverletzungen, Schlaganfällen) die Steuerungsfunktion des Stirnhirns eingeschränkt. Aggressive Handlungen können dann plötzlich, ungerichtet und unberechenbar auftreten.
Es wäre jedoch falsch, Aggressionen und Gewalt nur als ein einseitiges Problem der Täter anzusehen. Aggressionen und Gewalt sind als zwischenmenschliches Phänomen Bestandteil unserer Lebensführung. So ist immer wieder zu beobachten, dass Gewalt Gegengewalt erzeugt, dass eine aggressive Haltung und das überhebliche Demonstrieren von Macht ein feindseliges, explosives Klima erzeugt, in dem es schnell zu gewalttätigen Übergriffen kommt. Hierbei sind die Ausdrucksmöglichkeiten von Aggression und Gewalt überaus vielfältig: Beleidigungen (auch sexueller Natur), Bedrohungen (»Dich bringe ich um«), Nötigungen und Erpressungen werden ausgestoßen oder auch ausgeschrien. Das Spektrum körperlicher Gewalt reicht von Schlagen, Treten, Spucken, Beißen, Schubsen, Zerren, Reißen, Würgen und sexuellen Übergriffen bis zum Einsatz von Werkzeugen und Gegenständen (teils mit Infektionsgefahr).
Wenn beispielsweise das Pflegepersonal auf einen aggressiven Patienten oder Bewohner ebenfalls aggressiv reagiert, schaukelt es sich wie eine Spirale hoch. Hinzu kommt, dass Patienten und Bewohner sich oftmals einer rigiden »Hausordnung« unterwerfen müssen, sich entmachtet und entmündigt fühlen und darauf mit Frustration und Aggression antworten. Gerade in der Altenpflege wird aggressives Verhalten der Betreuten oftmals mit Gewalt beantwortet: Die Betreuten werden teilweise sediert, fixiert, diskriminiert und stigmatisiert.
Gewalt vermeiden
Folgt man dem lerntheoretischen Ansatz der Aggressionsforschung, kommt dem Stationsmilieu eine besondere Bedeutung zu. Das Verhalten des Pflegepersonals untereinander und gegenüber den Patienten ist entscheidend. Aggressives Verhalten des Pflegepersonals als Antwort auf aggressives Verhalten der Patienten wirkt »vorbildlich«, die Patienten lernen schnell durch »Nachahmung«. Wichtig sind deshalb stationsinterne Normen gegen Gewalt und modellhaftes Vorleben durch das Team.
Die Vermittlung von Deeskalationsstrategien ist deshalb einer der Grundbausteine für Gewaltminderung. Schwerpunkt eines solchen Schulungsprogramms ist die Vermittlung von theoretischen Grundlagen, um Aggressionspotenziale rechtzeitig erkennen und reduzieren zu können. Dabei ist es notwendig, die eigenen Gefühle zu reflektieren. Diese sollen jedoch nicht unterdrückt werden, sondern man muss lernen, sie unter Kontrolle zu behalten.
Die Psychiatrie setzt sich seit Jahren intensiv mit dem Thema »Gewalt und Gewaltvermeidung« auseinander. Mit Gewalt in der Altenpflege hat sich unter anderem die Bonner Initiative »Handeln statt Misshandeln« befasst. Um Gewalt – wo auch immer – zu vermeiden, müssen drei Grundvoraussetzungen eingehalten werden: Kommunikation, Patientenbeobachtung und Reflexion des eigenen Verhaltens.
Hilfen nach einem tätlichen Angriff
Kommunikation bedeutet: Es findet ein ständiger Austausch zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern sowie der Mitarbeiter untereinander statt. Auch bei Schichtübergaben darf es zu keinem Informationsverlust kommen. Die Institutionalisierung wesentlicher Kommunikationsprozesse und ihrer Inhalte (Teamgespräche, Übergabegespräche) trägt dazu bei, den erforderlichen Informationsaustausch zu gewährleisten. Nach einem Patientenübergriff muss dem Opfer ein einfühlsamer, kollegialer Gesprächspartner zur Seite stehen, um die psychische Belastung zu bewältigen und ein Trauma zu vermeiden. Oftmals ist es auch notwendig, einen neutralen, externen Supervisor hinzuzuziehen, der besonders geschult ist, Konflikte in einem Team aufzudecken. Letztlich zielen alle kommunikativen Maßnahmen darauf ab, die »Teamfähigkeit« der Mitarbeiter zu verbessern und ein gutes, kollegiales Betriebsklima herzustellen.
Mit Hilfe der Patientenbeobachtung lassen sich Schwachstellen früher aufspüren. Die Dokumentation und Analyse aggressiver Verhaltensweisen liefert Hinweise auf individuelle (Frühwarn-) Symptome. Zusätzlich ergeben sich Hinweise, welche Deeskalationsstrategien sich (nicht) bewährt haben. Entscheidend ist aber, dass die Ergebnisse der Beobachtung im Team auch besprochen werden.
Hilfe herbeirufen
Übergriffe auf Mitarbeiter stellen unzweifelhaft »Gefährdungen« im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) dar. Sie sind daher bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen und der gegebenenfalls erforderlichen Dokumentation (§5 ArbSchG) zu berücksichtigen. So muss der Gefährdete bei Übergriffen die Möglichkeit erhalten, Hilfe herbeizurufen. Hier bieten technische Anlagen Sicherheit in Form von fest installierten, stationären Schwestern- oder mobilen Personenrufanlagen.
»Patientenübergriffe? Damit haben wir keine Probleme!« Diese oder ähnliche Reaktionen sind leider regelmäßig anzutreffen. Das Management einer Einrichtung darf die Augen vor aggressivem Verhalten im Betrieb nicht verschließen. Wichtigste Voraussetzung im Umgang mit psychischen Belastungen ist eine funktionierende innerbetriebliche Kommunikation, die Raum und Atmosphäre auch für die Auseinandersetzung mit den Emotionen der Mitarbeiter bietet.

Umgang mit Gewalt - Deeskalation in der psychiatrischen Pflege

Pflege Eskalierende Situationen frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren, setzt ein gezieltes Fachwissen voraus. Es gilt, für sich selbst und für den Anderen (Patienten, Angehörige) einen Weg zu finden, um aus der angespannten Situation herauszukommen. Die richtigen Worte im passenden Moment, selbstbewusstes Auftreten und eindeutiges Verhalten, können bereits eine …
Mitglied der Deutschen
Expertengruppe Dementenbetreuung e.V.

Die DED vertritt die Interessen von Menschen mit Demenz und denjenigen, die sich in der Dementenbetreuung beruflich engagieren. Sie ist eine Vereinigung von Menschen unterschiedlicher Professionen, die seit 1995 neue Wege in der Versorgung Demenzkranker suchen. Ihr Ziel ist es, das vorhandene Expertenwissen zur Dementenbetreuung zu sammeln, dieses Wissen zu verbreiten und die Versorgung von Menschen mit Demenz zu verbessern.
Herr Tobias Münzenhofer
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